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AUSTRALIEN: FEATHERTOP-BOGONG-TRAVERSE

Länge: 77km
Dauer: 4 Tage
Startpunkt: Diamantina Hut, Mt. Hotham
Ziel: Mountain Creek, Tawonga South

Was dich erwartet

Über das Dach Australiens: Kräftig Höhenmeter sammelt man bei dieser fantastischen Mehrtageswanderung durch die Bogong High Plains in Victoria, der Heimat der wilden Brumby-Pferde.

DER TREK Im DETAIL

In der frischen Kühle des Morgens kriechen langsam goldene Sonnenstrahlen über die High Plains und erleuchten das Innere meines offenen Zelts. Ich nehme noch einen Schluck Kaffee. Neben mir erstrahlt ein kleines Schnee-Eukalyptus-Wäldchen in weichem Orange, während über mir ein einsamer Currawong, eine Krähenart, den neuen Morgen ankündigt. Auf der Südflanke des Mt. Feathertop glänzen purpurrot die Überbleibsel der winterlichen Schneedecke. Die Temperatur liegt knapp über dem Gefrierpunkt. Eingekuschelt in meinem Schlafsack überdenke ich noch mal meinen Plan, die drei höchsten Gipfel Victorias in einer gemütlichen Fünftageswanderung abzuklappern. Gestern Nachmittag ließ ich mein Auto auf der Great Alpine Road auf 1700 m Höhe stehen und wanderte nordwärts auf dem Razorback. Der spektakuläre Gebirgskamm führt zum Mt. Feathertop, mit 1922 m Victorias zweithöchster Berg. Die Aussicht war unglaublich, aber nichts übertraf den Blick vom Gipfel – eine glühende Sonne, die hinter den „Hörnern“ des in der Ferne liegenden Mt. Buffalo ins scharlachrote Vergessen eintauchte. Vor mir liegen die Bogong High Plains, eine einsame Hochebene voll historischer Hütten und Herden von Brumbies, Wildpferden. Schnell habe ich alles zusammengepackt, nur noch ein Abstecher zum Gipfel, um einen Blick auf den weit entfernten Mt. Bogong zu erhaschen. Der „Big Man“ ist Victorias höchster Gipfel (1986 m) und mein Ziel. Doch erst geht es die Diamantina Spur hinunter, einen steilen, gnadenlosen zweistündigen Kniebrecher von Abstieg zum Kiewa River. Der Schnee-Eukalyptus und die Vogelbeersträucher sind schwarz, graue Baumgerippe säumen den Weg – in der alpinen Region Victorias sind Buschfeuer die Regel. 

Nach der Diamantina fülle ich meine Wasserflasche in den klaren Fluten des Kiewa auf, bevor ich in der Blair Hut zu Mittag esse, die idyllisch auf einer grasbewachsenen Lichtung am Strom liegt. Plötzlich, ein Echo aus der Vergangenheit, als es hier noch Rinderzüchter auf Pferden gab. Erstaunt blicke ich von Käse und Crackern auf – und sehe mich von Pferdetrekking-Touristen umringt. Auf dem steilen Anstieg zur Weston Hut hat mich die Einsamkeit wieder. Die Weston Hut auf Höhe der Baumgrenze in einer Flanke der High Plains wurde von Rinderzüchtern in den 1930er-Jahren erbaut, die Reitställe sind immer noch sichtbar. Zwar wurde die Hütte von der Feuerhölle 2003 verschont, bei der von 2006 aber zerfiel sie zu Asche, bevor sie 2011 von Freiwilligen restauriert wurde. Das Grasland ringsum ist ein angenehmer Lagerplatz und die Hütte bietet Schutz vor dem launischen Wetter der High Plains. Der Schnee-Eukalyptus macht Tussock-Gras, Pferdeäpfeln von Brumbies und Hochweiden Platz, als ich einer Reihe von Schneepfählen hoch zum Plateau folge. Das karge Hochland, das sich über Kilometer in alle Richtungen erstreckt, strahlt eine schlichte, traurige Schönheit aus. Ich drücke aufs Tempo, hin zu einer Kreuzung bei Pfahl 333. Eine Reihe nummerierter Schneepfähle ziehen von Süden herauf: Vom Mt. Hotham führen sie über Cobungra Gap bis Bogong. Eine weitere Reihe verschwindet im Nordwesten in Richtung der Fainters. In der melancholischen Spätnachmittagssonne ist alles still und ruhig, keine Menschenseele weit und breit. Ein paar Kilometer weiter mache ich eine kurze Pause, um eine Herde Brumbies zu beobachten, die mich argwöhnisch mustern. Der Leithengst rührt sich nicht, er schnaubt. Ich setze meinen Weg fort, bis ich schließlich an einem Wäldchen aus Schnee-Eukalyptus oberhalb des Cope Saddle mein Lager aufschlage. Die Temperatur sinkt, zusammen mit der Sonne.

Früh am nächsten Morgen kämpfe ich mich über eisbedeckte Pfützen und durch Schneeverwehungen. Angeberisch erhebt sich der Gipfel des Mt. Cope zu meiner Rechten, aber ich habe anderes im Sinn – das Plumpsklo bei Cope Hut. Nach der Erledigung eile ich durchs Skigebiet an der Ostseite des Hochplateaus. Ich vermisse die düstere Einsamkeit der High Plains, gehe querfeldein und hake Mt. Nelse North ab, die Nummer drei in Victoria (1884 m). Der Bogong erhebt sich massiv vor mir, als ich hinunter zur Roper Hut schlendere. Die Roper-Hütte aus dem Jahr 1939 fiel dem Feuer 2003 zum Opfer, erstand aber 2008 wie Phönix aus der Asche und dient nun als Notfallunterkunft. Ich gebe mir den Nachmittag frei, faulenze in der Sonne und fülle meine Trinkvorräte an einem nahen Wasserfall. Den folgenden, im Nebel versinkenden Morgen verbringe ich damit, die High Plains über steil auf- und absteigende Pfade zu verlassen, die teils überwachsen oder von umgestürzten Bäumen versperrt sind. Schließlich überquere ich den Big River und steige endlich zum Bogong hinauf. Von meinem Platz am Ende des T-Spur-Trails, wo ich zu Mittag esse, ist es nur ein kurzer Spaziergang über schneebedeckte Wiesen hinüber zur Cleve Cole Memorial Hut. Dennoch mache ich einen Umweg über die pittoresken Howmann Falls.

In eine schöne, geschützte Senke an der Südostflanke des Berges geschmiegt, erinnert die Hütte an einen einheimischen Skifahrer, der von einem Blizzard überrascht wurde. Der Steinbau mit Etagenbetten, Sanitäranlagen und Solarpanels ist bei Wanderern sehr beliebt. Ich tausche Höflichkeiten aus, möchte aber in meinem gemütlichen Iglu-Zelt schlafen – ich will den Sonnenaufgang nicht verpassen. Frühmorgens spiegelt sich das Sonnenlicht im Schnee, die Bäume werfen lange Schatten. Obwohl die letzte Etappe sehr kurz ist, ist sie die zauberhafteste des Trips. Der Himmel ist tiefblau, die Erde blendend weiß und die Luft klirrend kalt, als ich den Pfählen bis hinauf auf das Gipfelplateau des Bogong folge. Die gesamten High Plains erstrecken sich zu meiner Linken und enden in der markanten Schneekappe des Feathertop, während sich rechts in der Ferne eine lange weiße Wand erhebt – die Kosciuszko Main Range in New South Wales. Ich bin vollkommen allein hier oben und unglaublich glücklich. Ich mache das obligatorische Selfie am Steinhaufen auf dem Gipfel des Bogong, bevor ich über die malerische, manchmal ziemlich ausgesetzte Staircase absteige und überlege, wie ich wieder zu meinem Auto komme.

 

Anreise: Die Fahrt von Melbourne dauert vier Stunden, außerdem braucht man zwei Autos. Oder man probiert’s mit
dem Taxi: www.mtbeauty.com oder www.ptv.vic.gov.au.

Weiterführende Informationen: www.LONELYPLANET.com