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BALKAN: VIA DINARICA

Länge: 1.930km
Dauer: ca.98 Tage
Startpunkt: Postojna, Slowenien
Ziel: Ohrid, Mazedonien

Was dich erwartet

Über den westlichen Balkan erstreckt sich die Via Dinarica, auf der Wanderer auf uralten Pfaden und zwischen aufragenden Berggipfeln sogar das Alte Europa wiederfinden können.

DER TREK Im DETAIL

Es war noch dunkel, als der Duft von Kaffee unsere Blockhütte auf der Via Dinarica erfüllte. Der Trail zieht sich über die westliche Balkanhalbinsel. Wir befanden uns im Stujeska-Nationalpark in Bosnien-Herzegowina und hatten die ersten zwei Tage eines wochenlangen, grenzüberschreitenden Treks hinter uns. Der höchste Gipfel des Landes, der Maglic (2386 m), und dichte Wälder trennten uns von Montenegro. Als das Aroma der gerösteten Kaffeebohnen unsere Etagenbetten erreichte, schien die Welt um uns herum – die Täler, Flüsse, Gämsen, Ziegen, Dörfer, Schafe, Kuhglocken, Bauernhöfe, Weingüter, Hähne, Olivenhaine und Wiesen voller bunter Wildblumen – mit einem Schlag mit uns zum Leben erwacht, als läute ein den Balkan umspannender Wecker auf dem Nachttisch. Auf dem Trail ist der Morgenkaffee heilig – überall, aber nirgends so sehr wie auf dem Balkan und der Via Dinarica, die die Gipfel und entlegensten Gebiete in Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, dem Kosovo und Mazedonien miteinander verbindet. Egal, welches Teilstück du auf diesem 1931 km langen Trail abwanderst, die dicke, flüssige, schwarze Brühe ist mehr als ein Muntermacher mit Suchtpotenzial. Hier, wo der Orient auf den Okzident trifft, ist Kaffeegenuss eine Metapher auf das Leben. Dein Campingbecher aus Metall birgt Geschichte. Er birgt die Morgendämmerung und ein Versprechen. Er birgt jahrhundertealten Klatsch und Skandale. Eine Tasse gefüllt mit untergegangenen Reichen: der Griechen und der Römer. Byzanz, die Osmanen, Österreich-Ungarn. Sie läuft über vor lauter ausschweifenden Geschichten und Kameraden, die sich um einen kargen Holztisch versammeln. „Kafa“ genießt man mit einer selbstgedrehten Zigarette und einem Glas vom lokalen Schnaps. Der Kaffee ist auf dem Balkan sowohl ausgefeiltes Ritual als auch koffeinhaltiges Elixier.

Was für den „Kafa“ gilt, trifft auch auf die Via Dinarica zu, die sowohl einfache bis mittelschwere Abschnitte offeriert als auch Teilstücke, die technisch anspruchsvoll sind. Der Trail verbindet sieben Länder, Dutzende Nationalparks und Unesco-Welterbestätten sowie einige der höchsten Gipfel der Region. Aber der Trail ist noch mehr als das: Er ist ein kultureller Korridor, der Zeitreisende und Geschichtsliebhaber mit offenen Armen empfängt, ob nun für drei Monate oder drei Tage. Der Weg ist wie eine Lupe, unter der man die letzten ursprünglichen Gemeinden in Europa in Augenschein nehmen kann. Der Morgen bedeutet hier, dass Wanderer sich aus Schlafsäcken schälen, Stirnlampen überstreifen, die Stiefel schnüren. Aber die ersten Sonnenstrahlen bedeuten auch, dass die Zeit für die Bauern in den Dörfern gekommen ist, die Glut in gusseisernen Öfen zu entfachen. Dass die Hirten aus ihren Nomadenlagern treten und ihre Herden auf den taubedeckten Hügeln kontrollieren, als hätte sich seit Urzeiten nichts verändert. Das Konzept der Via Dinarica gibt es seit zehn Jahren. Die Route, ein Flickenteppich aus Hirtenpfaden, alten Handelswegen, Militärstraßen und Bergrouten, wurde 2010 offiziell eröffnet. 2013 hat man nahezu alle Wege katalogisiert und vermessen. Seither hat die Via Dinarica zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Nachfolgestaaten Jugoslawiens und Albaniens geführt, die diesen Abenteuerspielplatz für Reisende nunmehr gemeinsam promoten.

„Das Reizvolle an der Via Dinarica ist, Touristen auch mal an Orte zu führen, von deren Existenz sie nicht einmal etwas ahnten“, erklärt Aleksandar Donev, Leiter einer Behörde in Mazedonien, die sich der Werbung und der Unterstützung des Tourismus verschrieben hat. „Aber ebenso reizvoll ist die Tatsache, dass die Menschen vor Ort – von Slowenien bis Mazedonien – die Möglichkeit haben, Traditionen zu vermitteln, die seit Generationen weitergegeben werden. Der neueste Trend in der Touristik sind ja wirklichkeitsnahe Erfahrungen. Nun ja, wir haben Hunderte, wenn nicht Tausende Jahre wirklichkeitsnahe Erfahrungen zu bieten, die auf ihre Entdeckung warten.“ Nachdem wir den Kaffee getrunken und unser Zeug in den Rucksäcken verstaut haben – Käsescheiben, Würstchen und Nüsse landen zwischen der Schlechtwetterkleidung –, verlassen wir die Hütte und machen uns an den felsigen Aufstieg zum Maglic, dem Dach Bosnien-Herzegowinas. Es geht langsam hinauf, beinahe senkrecht, nur über Haltegriffe. Ein Fuß vorsichtig vor den anderen. Als wir den Gipfel erreichen, schließe ich zu Thierry Joubert auf, einem Wanderkumpan, der mich in den letzten drei Jahren regelmäßig begleitet und beinahe jeden Meter der Via Dinarica erschlossen hat.

„Die Via Dinarica gibt sich immer unterschiedlich, denn man kann Landschaft, Kultur und Geschichte auf so viele Weisen interpretieren“, meint Joubert, Leiter von Green Visions, einem Anbieter von Abenteuerreisen in Sarajevo. „Durch Kroatien gehst du parallel zur Adria, in Albanien erheben sich die Gipfel um dich herum. In Mazedonien querst du einen Höhenzug, der die Grenze zum Kosovo markiert. Dieser Trail führt Wanderer zu unberührten Gipfeln. Sie können Dörfer und Schafherden besuchen, die es in zehn Jahren vielleicht nicht mehr gibt.“ Auf der anderen Seite des Berges wartet Montenegro auf uns. Wir stehen auf dem Bergrücken und gönnen uns auf die Wanderstöcke gelehnt eine Pause. Unter uns breitet sich der herzförmige Gletschersee Trnovacko aus – ein Postkartenmotiv. Nach ein paar Minuten gehen wir weiter. Die Überquerung der Grenze und ein neues Land scheinen Joubert zu beflügeln. Als er einige Meter Vorsprung hat, dreht er sich um und meint: „Bei der nächsten Lichtung hole ich meinen Gaskocher raus und wir machen uns erst mal einen Kaffee.“

 

Anreise: Per Flugzeug nach Ljubljana, Slowenien, 1 Stunde Busfahrt vom Trail-Anfang entfernt. Abreise über Skopje in Mazedonien, vom Ohrid-See in 2 Stunden mit dem Auto.

Weiterführende Informationen: www.LONELYPLANET.com. Infos zu Guides hat die Via Dinarica Alliance (www.via-dinarica.org), eine Kooperative von Abenteuerreise-Veranstaltern, die sich dem Trail verschrieben haben. Fragen zu Unterkunft, Route und Bedingungen beantwortet die Projektseite zur Via Dinarica (trail.viadinarica.com).

Übernachtung & Verpflegung: Zahlreiche Berghütten (geführt), unbewohnte Schutzhütten. Mit einem Zelt hast du noch mehr Optionen.