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Eiger Loop

Graveln mit Gletscherblick - Eiger Loop

Wild und dramatisch – nicht nur unter Alpinisten ist die Eiger-Nordwand eine Legende. In ihrem Bann kommen auch Gravel-Biker auf ihre Kosten. Der Eiger Gravel Loop fordert auf knackigen Kletteretappen und rasanten Abfahrten Mensch und Material – und verzaubert mit grandiosem Bergpanorama.

Auf Schotterstraßen ins Hochgebirge zu strampeln, mag hip sein. Wirklich neu ist diese Art von Radabenteuer aber nicht. Auf dem Weg zu den großen Gipfeln der Alpen schwangen sich die Pioniere des alpinen Kletterns schon vor fast 100 Jahren regelmäßig in den Sattel. So wie Anderl Heckmair, einer der Erstbesteiger der Eiger-Nordwand. Wie alle Bergvagabunden damals war er knapp bei Kasse. Der Ritt über die einst noch nicht asphaltierten Alpenpässe war die günstigste Möglichkeit ans Ziel zu kommen. Heute schätzen Gravel-Biker geschotterte Passstraßen aus einem anderen Grund: als faszinierende Bergstrecken frei sind von motorisiertem Verkehr. Ohne Abgase, ohne Blechkolonnen, ohne ungeduldig hupende Autofahrer.

Serpentine um Serpentine schraubt sich ein solches Sträßchen vom Grindelwalder Bahnhof hinauf Richtung Kleine Scheidegg, vorbei an schmucken Holzchalets und urigen Bergbauernhöfen – zu Füßen der legendären Eiger Nordwand. Für Andrea und Patrizia, die mich begleiten, ist es die erste Gravelbike-Tour überhaupt. Zahllose Alpenüberquerungen haben die beiden bereits hinter sich – mit dem Mountainbike. Dazu jede Menge Pässe mit dem Rennrad. Trotzdem sind sie ein wenig nervös: Graveln im Hochgebirge – funktioniert das überhaupt? Die nächsten drei Tage werden zu einem faszinierenden Experiment: mit großartigem Gletscherpanorama, schweißtreibenden Anstiegen, qualmenden Bremsen und einem erfrischenden Sprung in den Brienzer See.
 

Dramatische Alpingeschichte

Der Puls pocht. Der Atem keucht. Zwei Drittel der 1125 Höhenmeter zur Kleinen Scheidegg sind geschafft. Der lose Untergrund und steile Rampen – nun deutlich jenseits der durchschnittlichen Steigung von 12,7 Prozent auf der 8,8 Kilometer langen Teiletappe – fordern Kraft und Konzentration. Gleichmäßig treten, schön im Sattel bleiben, damit das Hinterrad nicht durchdreht. Patrizia zieht davon wie einst Bergetappen-König Marco Pantani. Es ist heiß. Der Durst wächst. „Flasche leer“, meldet Andrea, als die Kleine Scheidegg auf 2061 Meter Höhe erreicht ist. Höchste Zeit, die Beine zu lockern und in einem der Bergrestaurants die Flüssigkeits- und Kohlenhydratspeicher aufzufüllen.

Mit Fernrohren bewaffnet, zoomten sich hier schon vor 90 Jahren Schaulustige von den Hotelterrassen in der Eiger-Nordwand, um die Erstbesteigungsversuche mit schaurigem Kribbeln mitzuverfolgen. Hebt man den Kopf, ist man sofort mittendrin in den alpinen Dramen und Heldengeschichten um die „Mordwand“, wie sie bisweilen genannt wird. Mehr als 70 Menschen haben bei Besteigungsversuchen im Laufe der letzten 100 Jahre ihr Leben gelassen.

Ein unerwartetes Abenteuer bietet die Abfahrt nach Wengen. „Links oder rechts?“ An einer Verzweigung der Schotterpiste an der Wengernalp führen zwei Routen ins autofreie Bergdorf Wengen. „Rechts!“ ist sich Andrea sicher. Nach ein paar Serpentinen wird der Weg immer ruppiger, steiler, schmaler. Die Finger krampfen sich in die Bremshebel. Kein Wunder: Im Winter führt das Lauberhorn Skiabfahrtsrennen diese Bergflanken hinab. Wir atmen auf, als der Weg endlich flacher wird. Die Bremsen glühen. Ein Blick auf die Karte zeigt: Die richtige, definitiv weniger steile Route wäre oben links abgezweigt. Naja, alles gutgegangen. „Ein bisschen Abenteuer muss sein“, meint Andrea grinsend. Bald sind wieder Ausdauerqualitäten gefragt. Nach dem mehr als 1250 Höhenmeter langen Downhill-Ritt warten 800 knackige Höhenmeter bergauf nach Mürren. Gut, dass es eine Alternative gibt. Mit der Gondelbahn von Lauterbrunnen zur Grütschalp lässt sich die stramme Bergwertung auf die Hälfte reduzieren.
 

Abfahrten wie ein Bond-Thriller

Wilde Verfolgungsjagden im James Bond Thriller „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ haben Mürren Ende der 1960er-Jahre weltberühmt gemacht. Den Adrenalinspiegel nach oben schießen lässt am nächsten Tag auch das Schlussstück der Abfahrt zurück ins Lauterbrunnental. Nach einer flowig welligen Trail-Passage durch den Bergwald bringt ein Steilstück erneut Bremsen und PilotInnen ans Limit. Also kurz mal schieben – sicher ist sicher. Darüber können andere Sportler in der Gegend vermutlich nur grinsen. Für Basejumper ist das Lauterbrunntal mit seinen mehrere Hundert Meter hohen Felswänden ein Mekka.

Zahmer entpuppt sich der zweite Teil der Etappe entlang der Nordseite des Brienzer Sees. Welch ein Gegensatz! Beim gemäßigten Auf- und Ab wechseln Waldpassagen und liebliche Alpwiesen mit Blick auf die türkisfarbenen Fluten. Auf Koppeln grasen Pferde. Die Sonne brennt vom Himmel. Die ersehnte Erfrischung gibt‘s am See in Brienz: Nichts wie rein ins frische Nass!
 

Königsetappe: Von wegen … alles Käse

Die finale Bergetappe führt am nächsten Morgen von Meiringen zurück ins Hochgebirge. Beim Aufstieg zur Grossen Scheidegg steht nochmals eine satte Bergwertung an: 1400 Höhenmeter am Stück. Ein langgezogenes doppeltes „Tüü tata, … tüü tata!“ ertönt nahe der Breitboden Alp von hinten. Das Zeichen, dem Postauto auf dem schmalen, sonst autofreien Sträßchen Platz zu machen. Dabei fällt Andreas Blick auf ein paar Alphütten nahe der Straße. „Da gibt’s sicher Käse für eine Brotzeit“, ruft Patrizia. Senner Franz schließt mit einem riesigen alten Schlüssel gerade eine der sonnengegerbten Holzhütten auf. Sie ist auf Stelzen gebaut. So ist das wertvolle Inventar vor Mäusen geschützt. „Kommt, ich zeig‘ Euch was“, sagt Franz. Drinnen in der dunklen, kühlen Hütte lagern Dutzende riesiger Käselaibe. Mit reichlich Bergkäse in den Packtaschen geht es an die letzten 500 Höhenmeter.

Schon mehrmals führte die bis zu 15 Prozent steile Königsetappe der Tour de Suisse über die Grosse Scheidegg. Anders als die Profis legen wir auf der Passhöhe einen Stopp ein. Sich gleich in die Serpentinenabfahrt nach Grindelwald zu stürzen, wäre viel zu schade. Denn neben der Kleinen Scheidegg zählt der Übergang zweifellos zu den schönsten Aussichts-Spots der Tour. Patrizia und Andrea haben es sich schon neben ihren Rädern auf der Bergwiese gemütlich gemacht. Die Weggli, die Patrizia morgens bei Bäcker besorgt hat, belegt sie mit dicken Käsescheiben. „Besser als jeder Energieriegel“, lacht Andrea. „Schade, dass unsere Tour schon zu Ende geht. Es wird sicher schwer, auf unsere erste Gravel-Tour noch eins draufzusetzen“, fügt sie kauend hinzu und blickt versonnen hinüber zur Eiger-Nordwand.
 


 

Material: Tipps für alpine Gravel-Touren

Nicht nur sportlich ist der Eiger-Loop mit seinen langen Anstiegen und Abfahrten eine Herausforderung. Auch für das Material ist die Gravel-Tour ein Härtetest. Die drei Tage auf alpinem Schotter haben gezeigt: Es lohnt sich, das Bike vor dem Start auf Gebirgstauglichkeit zu checken.

  • Bremsen: Hydraulische Bremsen sind wegen der besseren und zuverlässigeren Bremsleistung auf jeden Fall empfehlenswert, gerade wenn es mal regnen sollte. Auf steilen Abfahrten können 140- oder 160-Millimeter-Bremsscheiben ans Limit kommen, gerade bei großen und schwer FahrerInnen und/oder viel Gepäck. Größere Bremsscheiben (180 mm) bieten mehr Brems-Power und überhitzen weniger schnell.
  • Reifen: Je ausgeprägter das Profil, desto besser ist der Grip im Gelände. Gerade bei steilen Abfahrten ein wichtiger Aspekt. Der etwas höhere Rollwiderstand lässt sich auf alpinen Gravel-Touren verschmerzen. Auch die Reifenbreite spielt eine Rolle: je breiter, desto besser die Kontrolle. Ein weiterer Vorteil robuster Reifen: die erhöhte Pannensicherheit.
  • Packtaschen: Je steiler das Gelände, umso wichtiger ist eine ausgewogene Gewichtsverteilung. Einseitig zu viel Gewicht vorne oder hinten verschlechtert die Manövrierbarkeit und Kontrolle übers Bike. Am besten, man verteilt das Gepäck auf mehrere Packtaschen vorne am Lenker, in der Mitte am Rahmen und hinten am Sattel. Wir hatten unsere Gravel-Bikes für den Eiger-Loop mit den neuen deuter Cabezon Packtaschen ausgerüstet: Cabezon SB 16 (Satteltasche mit 16 l Packsack), Cabezon HB 14 (Lenkertasche mit 14 l Packsack) und Cabezon FB 4/6 (Rahmentasche mit wahlweise 4 oder 6 l Volumen).
     


 

Tourenbeschreibung

Die Rundtour führt von Grindelwald am Fuße der legendären Gletschermassive von Eiger, Mönch und Jungfrau größtenteils über autofreie Schotterwege und Bergsträßchen zum Brienzer See und in einem Bogen über die den Passstraße Grosse Scheidegg zurück. Auf den ersten beiden Etappen warten ein paar knifflige, steile Passagen auf den Abfahrten.
 

Etappe 1

Länge: 35 km

Höhenmeter: 2100 hm bergauf, 1500 hm bergab

Los geht‘s: 1125 Höhenmeter am Stück zur Kleinen Scheidegg. Zunächst auf einem kleinen Asphaltsträßchen, dann auf Schotter. Die Kleine Scheidegg ist der Top-Panorama-Spot der Region mit Traumblicken auf Eiger und Jungfrau. Weiter auf der Bike-Strecke Nr.1 über Wengen ins Lauterbrunnental. Teils steile Abfahrt, solide Fahrtechnik und gute Bremsen erforderlich. Von Lauterbrunnen auf der Bike-Route 450 nach Mittelberg und von dort auf Asphalt weiter nach Mürren. Lauterbrunnen Gondelbahn zur Grütschalp möglich und auf Schotterwegen nach Mürren. Das spart 400 Höhenmeter.

Alternativroute ohne Kleine Scheidegg: Von Grindelwald über Lütschental und Zweilütschinen nach Lauterbrunnen und weiter nach Mürren.

Länge: 28 Kilometer

Höhenmeter: 1200 hm
 

Etappe 2

Länge: 60 km

Höhenmeter: 800 hm bergauf, 1800 Höhenmeter bergab

Weiter geht's: Von Mürren auf der Bikeroute 450 auf kleinen und teils steilen Asphaltwegen und geschotterten Alpwegen über Gimmelwald nach Stechelberg (kurze Schiebepassage bergab). Nun das Lauterbrunnental talauswärts und über Zweilütschinen nach Interlaken. Am nördlichen Ufer des Brienzer Sees in ständigem Auf und Ab nach Brienz. Von dort flach entlang der Aare auf dem Radweg Nr. 8 nach Meiringen.
 

Etappe 3

Länge: 30 Kilometer

Höhenunterschied: 1400 hm bergauf, 1050 hm bergab

Weiter geht's: Von Meiringen am Reichenbachfall vorbei zum Berghotel Rosenlaui. Über die Alp Breitboden und die Schwarzwaldalp auf die Grosse Scheidegg (1962 m). Danach Serpentinenabfahrt nach Grindelwald.
 

Einkehrtipps

Pizza im Eiger Guesthouse in Mürren: eigerguesthouse.com

Velo Cafe in Interlaken mit veganen und vegetarischen Leckereien

C und M Cafe in Grindelwald

Unterkünfte

Tourismusverband Jungfrauregion

Text und Fotos: Christian Penning

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