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Walls on Silkroad – united by climbing

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Auch wenn uns das Auswärtige Amt, Bekannte, Freunde und die iranische Kletterin Nasim Eshqi von der Reise in den Iran – aufgrund der politischen Lage – abriet, fuhren wir trotzdem. Nicht weil wir die naiven Globetrotter sind, die mit der Einstellung „es wird uns schon nichts passieren“ blauäugig durch Krisenländer dieser Welt tingeln. Vielmehr wollten wir mit dieser Expedition, die wir „Walls on Silkroad – united by climbing“ tauften, ein Zeichen der Solidarität setzen. Egal welche Konflikte derzeit auf der Welt ausgetragen werden, gibt es immer Leidenschaften, Träume, Wünsche und Hoffnungen, die uns Menschen verbinden. In unserem Fall ist es die Kletterei.

Zusammen mit meinen alten Expeditionskumpel Schlesie (Christian Schlesener), der jungen Klettergeheimwaffe Steno (Josef Pfnür) und meinen Sohn Tim als Filmemacher. Am 23. Mai ging es los Richtung Asien, um in der Türkei, im Iran und als großes Finale in Tadschikistan jeweils mit einheimischen Kletterern eine Erstbegehung zu klettern.

Schlesie besitzt ein 8 Tonnen schweres Ungetüm, welches er liebevoll „Elke“ nennt. Elke kommt von LKW und verrichtete seine Dienste im österreichischen Bundesheer bevor Schlesie den Oldtimer zu einem beeindruckenden Expeditionsmobil umbaute. Die Elke war bei diesem Abenteuer nicht nur unser Zuhause und Hideaway für mehr als drei Monate. Sie war an jedem Grenzübergang eine Attraktion.

Eigentlich war unser Projekt „Walls on Silkroad“ ganz anders geplant. Wir wollten auch dieses Jahr wieder mit unseren Rädern und Anhängern aufbrechen: Los zur S-Bahnstation rollen, weiter mit der Bahn und der transsibirischen Eisenbahn durch Russland bis nach Tadschikistan. Von der Hauptstadt Duschanbe aus mit den Rädern ins Gebirge und eine grandiose Erstbegehung klettern. Doch der russische Einmarsch in die Ukraine führte zu Plan B, der am Ende viel spannender, aufregender und von der sportlichen Zielsetzung extrem herausfordernd war.

Ein Jahr Vorbereitung für eine dreimonatige Reise und drei Erstbegehungen

Schlesie, Tim, Steno und ich bereiteten ein Jahr lang das Unternehmen vor. Jeder hatte seinen Aufgabenbereich: Schlesie musste die Elke fit machen für einen 20 000 Kilometer Trip durch insgesamt 14 verschiedene Länder und die elektrischen Einbauten, die bis dahin ein munteres Eigenleben führten, irgendwie kontrollierbar machen. Tim versuchte das Unvorhersehbare vorhersehbar zu machen und ein Drehbuch für eine Filmdokumentation zu entwickeln. Steno und ich kümmerten uns um Logistik, Visas und belastbare Informationen über die jeweiligen Länder. Wir haben zwar mittlerweile viel Erfahrung in der Organisation von Expeditionen, die uns ans Ende der Welt führen. Aber den Umgang mit reinen Diktaturen wie den Iran oder Turkmenistan, politisch schwer einschätzbare Länder, wie die Türkei und Tadschikistan, war für uns Neuland. Entsprechend aufgeregt waren wir als es endlich losging. Ins Führerhaus einzusteigen und loszurollen entfachte bei uns allen ein unvergessliches Feuerwerk an Emotionen. Ein Traum, eine Vision wird zur Realität…

Die erste Kletterei in der Türkei

Unser erstes Kletterziel lag im Aladaglar Gebirge im Süden der Türkei. Drei Monate Zeit für drei alpine Erstbegehungen erschien uns großzügig kalkuliert. Aber bereits an unserer ersten Wand hatten wir das Gefühl unter Zeitdruck zu geraten. Wir starteten mit einem 300 Meter hohen und überhängenden Wandriegel. Wir wollten uns von Land zu Land langsam steigern. Das große Finale sollte die Erstbegehung im Pamir werden, zumindest sah es Tim`s Drehbuch so vor. Daraus wurde nichts. Unser türkisches Warmup kristallisierte sich als mega Brett heraus. Am Ende war es die schwerste Route unserer Trilogie.

Bereits bei der Anreise regnete es zum Teil sintflutartig und das schlechte Wetter setzte sich während der Erstbegehung fort. Es war kalt und windig auf fast 3000 Meter Meereshöhe, aber selten ein Schaden ohne Nutzen: Ohne diesen Bedingungen und den perfekten Grip hätten wir die zum Teil messerscharfen Leisten nie halten können und keine Team- Rotpunktbegehung zustande gebracht. „Händler der Vertikalen“ hat uns ein Follower als Name für diese King - Line vorgeschlagen. Zum Verhandeln gab es jedoch nichts. Wir zahlten den vollen Preis an Haut, Willenskraft und Gliederschmerzen. Der Preis war immer noch ein Schnäppchen für die grandiosen Eindrücke und Erlebnisse in einer der schwierigsten alpinen Sportkletterrouten der Türkei.

Die zweite Erstbegehung im Iran

Als die Idee zu „Walls on Silkroad“ langsam immer konkreter wurde, bat ich Nasim Eshqi um Rat bei der Suche nach einer Wand im Iran mit Erstbegehungspotential. Nasim empfahl mir damals den Sun Tower, gegenüber des Alamkuh Gipfels, der mit 4800 Metern die höchste Erhebung und ein begehrtes Ziel im Elbrus Gebirge darstellt. Auch der Einstieg des Sun Towers liegt auf über 4000 Meter und allein bei dem Gedanken so hoch schwer zu klettern, bekamen wir Schnappatmung. Noch kurz vor unserer Abreise riet uns Nasim dringend von einer Reise in den Iran ab. Wir waren ziemlich aufgeregt und nervös als wir Ende Juni mitten in der Nacht auf die Grenze von der Türkei in den Iran zurollten. Auf der anderen Seite der furchteinflößenden Stacheldrahtzäune und Wachtürme wartete Mehdi Farhadi auf uns. Mehdi ist ein iranischer Bergführer und Reiseveranstalter, und wich uns während der ganzen Zeit nicht von der Seite.

Wir planten auf dieser Expedition so viel wie möglich E-Bikes für den Transport der Ausrüstung zur Wand einzusetzen. Aber der über 1000 Meter hohe Aufstieg zur Biwakhütte unterhalb des Sun Towers, unserer Base für die nächsten 10 Tage, war einfach zu steil und verblockt. Der Materialtransport war nur mit den klassischen Allradeseln zu schaffen. Auf der Hütte stieß Farshad Mijoji zu unserem Team. Einer der stärksten Alpinisten im Iran. In Bayern würden wir in als „wuiden Hund“ bezeichnen, obwohl das bei Farshad noch weit untertrieben wäre.

Den Erfolg aus der Türkei konnten wir nicht lange genießen. Vom kleingriffigen Superkalk mussten wir am Sun Tower auf Granit umswitchen. Die Linie, die wir uns für unsere Erstbegehung aussuchten, war zwar kürzer und die Kletterei leichter als in der Türkei, aber eine Seillänge trieb uns fast zur Verzweiflung. Als erster fand Schlesie eine Lösung, wie er seine dicken Wurstfinger in einem hauchdünnen Riss im Verschneidungsgrund pressen konnte. Bis zum Wandfuß war sein Schnaufen und am Ende sein Jodler zu hören. Die Seillänge bewerteten wir am Ende mit 8b. Die Kletterziele in den einzelnen Ländern, waren die rote Linie auf unserer Expedition. Wir tauften unsere Erstbegehung am Sun Tower „wind of change“. Die Traumroute Nummer zwei war geschafft. Diesmal hatten wir etwas mehr Zeit für Land und Leute bevor unsere Reise nach Tadschikistan fortsetzten. 

Dritte und damit finale Erstbegehung in Tadschikistan

Die Eindrücke bis dahin hätten für drei Expeditionen gereicht, aber unsere vertikale Seidenstraße war noch nicht zu Ende. Zwischen uns und dem großen Finale im Pamir Gebirge lagen noch drei weitere Grenzübergänge und zwei Länder, die bei uns keinerlei Emotionen auslösten: Turkmenistan und Usbekistan. Turkmenistan ist eine totalitäre Diktatur. Die Verbindung zur Außenwelt war im Iran schon ziemlich eingeschränkt, in Turkmenistan fand sie überhaupt nicht mehr statt. Kaum überquerten wir nach einem stundenlangen Prozedere die Grenze vom Iran nach Tadschikistan, waren wir von der Außenwelt komplett abgeschnitten. Kein Handyempfang und kein Internet. Wir fühlten uns wie vom Erdboden verschluckt, oder besser gesagt, wie auf einem anderen Planeten.

Im Gegensatz zu unseren Erstbegehungen in der Türkei und dem Iran, hatten wir in Tadschikistan keine konkrete Wand im Focus. Der Pamir ist bekannt für das Höhenbergsteigen. Alpines Sportklettern ist so gut wie nicht existent, aber das Felspotential gigantisch. Wir hatten einen riesigen Blumenstrauß an Möglichkeiten in der Hand und mussten uns für eine einzige Blume entscheiden. Das Camp Artuch im Pamir Alay wurde uns von einem Freund als Ausgangspunkt empfohlen und passte aufgrund seiner Historie perfekt zu unserem Vorhaben. Als wir uns mit den Mountainbikes zur ersten Scoutingtour aufmachten, spürten wir am ganzen Körper und im Kopf den Preis, den wir für den bisherigen Verlauf des Abenteuers zahlen mussten. Die Anspannung und der Druck bei den Erstbegehungen, die ständige mentale Präsenz auf der Straße, in den Städten und an den Grenzübergängen sind nicht spurlos an uns vorüber gegangen. Dazu kam noch ein fieser Magen-Darm-Virus, der mich völlig ausgeknockte. Normalerweise ist eine Erstbegehung ein Projekt für einen ganzen Sommer. Die Idee, drei Erstbegehungen hintereinander zu klettern, fanden wir zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr so geil.

Es ist kaum herauszufinden, welche Linien an den riesigen Kalkwänden bereits von der damaligen russischen Kletterelite begangen wurden. Wir gingen mal davon aus, dass es nur Risssysteme sein konnten und konzentrierten uns bei unserer Neulandsuche auf kompakte Wandkletterei. Wir begeisterten uns für einen traumhaft schönen senkrecht und überhängenden Pfeiler, der es schaffte, unsere schon fast erloschene Euphorie wieder anzufachen.

Als wir uns mit dem Zustieg auseinandersetzten erlosch das Hochgefühl aber wieder genau so schnell wie es kam. Die Hälfte des 1000 Höhenmeter langen Aufstiegs war ein garstiges, steiles Geröllfeld unter dem Motto: Ein Schritt vor – zwei Schritte zurück und zum krönenden Abschluss eine Rinne der Kategorie: „runter auf die Knie“.

Dennoch wurden wir oben in der Wand mit jedem gekletterten Meter für die ganze Schinderei versöhnt. Bis zur allerletzten Seillänge zeigte der Pamir kein Erbarmen. Als wir uns am Gipfel in die Arme fielen waren wir einfach zu müde, um die Erleichterung genießen zu können. Kaum eine Expedition hat mich dermaßen in ihren Bann gezogen und über einen so langen Zeitraum emotional gefordert. Wir hatten unser sportliches Ziel erreicht. Alle drei Erstbegehungen sind Traumrouten geworden. Es soll jetzt nicht arrogant klingen, aber nach mehr als 40 Jahren Klettererfahrung wissen wir ab dem ersten Meter in der Wand was zu tun ist. Bei einigen der insgesamt 14 Ländern, durch die wir reisten, hatten wir überhaupt keine Vorstellung was uns erwarten wird. Genau darin liegt der Reiz für mich. Es ist die Neugier auf das, was sich hinter dem Horizont verbirgt, es mit eigenen Augen zu sehen, um zu begreifen. Diese Eindrücke, Erlebnisse und Begegnungen mit den Menschen sind für mich der wahre Reichtum im Leben – united by climbing. So wie das Motto unserer Expedition und der Name für unsere letzte Route.

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