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SOS Notfallplan

SOS – Das musst du im Notfall wissen

SOS Label in deinem Rucksack – was du darüber unbedingt wissen solltest!

Ein Tag in den Bergen. Alles läuft nach Plan. Die Sonne scheint, die Tour ist abwechslungsreich. Der flowige Trail, der unberührte Tiefschneehang, der griffige Fels – nichts lässt erahnen, was gleich passiert. Ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, ein falscher Schritt oder ein unglücklicher Zufall. Wüsstest du, was bei einem Notfall im alpinen Gelände zu tun ist? Du bist dir nicht sicher? Dann geht es dir wie vielen Menschen.


Kühler Kopf im Notfall – wie strukturiertes Vorgehen Fehler vermeidet.

Selbst kleine Fehler führen im Gebirge schnell zu einem schwerwiegenden Unfall. Deswegen ist fundiertes Wissen über das Agieren in einer Notfallsituation und ein kühler Kopf von zentraler Bedeutung für alle Bergsportler. Klare Regeln und ein strukturiertes Vorgehen in Situationen unter Stress schaffen Ruhe und vermeiden Fehler. Daher haben sich in der Notfall-Medizin und der Bergrettung verschiedene Systeme etabliert, welche diese Struktur ermöglichen sollen. Daneben ist auch die „richtige“ bzw. „gute“ Kommunikation in schwierigen Situationen eine weitere Fehlerquelle. Nicht nur Missverständnisse, sondern auch verloren gegangene Informationen sind dabei als Beispiel zu nennen.

Um genau diese Fehlerquelle minimieren zu können, haben wir das SOS Label in all unseren deuter Rucksäcken neugestaltet. Es soll euch einen erprobten und realitäts-stabilen Handlungsleitfaden für Notfälle anbieten. Mit diesem kurzen Blogbeitrag wollen wir euch unser SOS Label und das dabei zugrunde liegende Prinzip detailliert darstellen.

 

SOS Label – 4 einfache und wirksame Schritte auf einen Blick

Blinder Aktionismus und Panik hilft keinem. Leichter gesagt als getan, denn in einer überraschenden Notfallsituation reagieren wir erst einmal automatisch. Daher ist es wichtig, die 4 Schritte der STOP-Regel zu verinnerlichen:

STOP – Bevor du als Helfer selbst aktiv handelst, trittst du psychisch wie physisch einen Schritt zurück und hältst inne. Nur in einem gesammelten Zustand können gute Entscheidungen getroffen werden.

THINK – Als Ersthelfer verschaffst du dir einen Überblick über die Gesamtsituation. Dabei hat dein eigener Schutz oberste Priorität. Deine eigene Sicherheit muss gewährleistet sein, damit du verletzten Personen überhaupt helfen kannst. Nur wenn du die Gefahrenlage und das Unfallrisiko richtig einschätzt, kannst du die richtigen Entscheidungen treffen und neue Gefahren ausschließen. Dazu ist die Kenntnis objektiver (meist Naturereignisse) und subjektiver (meist persönliche) alpiner Gefahren  aber auch anderer Risiken wie bspw. 4A1C4E hilfreich.

OPTIONS
 – Anschließend kannst du entscheiden, ob du mit den Gefahren und Risiken der Hilfe sicher umgehen kannst und ob der Verletzte in dieser Situation von deiner Hilfe profitieren wird. Das bedeutet: Ist die Unfallstelle von objektiven Gefahren bedroht, sollte der Verletzte aus dem Gefahrenbereich geholt und an einen sicheren Ort gebracht werden. Schätzt du deine eigenen Fähigkeiten und die Lage so ein, dass du deine eigene Sicherheit und die des Verletzten durch dein Einschreiten aufs Spiel setzt, dann solltest du von einer Hilfsaktion absehen, die Gefahrenzone verlassen, einen Notruf absetzen, den Verletzten beobachten und auf professionelle Rettung warten, um sie vor Ort einzuweisen und mit den wichtigsten Informationen zum Unfallhergang zu versorgen.

Das Absetzen eines Notrufs ist elementar, um die professionelle Rettung einzuleiten. Hier gibt es in den Bergen durchaus auch mal Komplikationen, da vielleicht kein Empfang vorhanden ist. Anbei ein paar Tipps, wie du präventiv und im Ernstfall vorgehen kannst:

  1. Bei einer Tour in den Bergen ist es wichtig, Freunde oder Bekannte zu informieren und ihnen dein Tourenziel und die geplante Rückkehrzeit zu nennen.
  2. Auch kann man am Parkplatz eine Nachricht mit Tourenziel und geplanter Rückkehr am Auto hinterlassen. Dafür kann man auch alpine Parkuhren verwenden.
  3. Bei Touren in sehr abgelegenem und unwirtlichem Terrain lohnt sich ggf. auch ein alternatives Kommunikationstool wie ein Satellitentelefon.
  4. Um einen Notruf abzusetzen, wählst du die 112. Diese Nummer funktioniert meist auch, wenn kein normales Netz verfügbar ist. Das liegt daran, dass die 112 die Einwahl in das beste Netz, unabhängig von deinem Handyvertrag ermöglicht oder dein Handy extra dafür eine höhere Leistung abruft. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:
    • Eingabe der Ziffern
    • Notruf Funktion des Handys
    • Statt PIN-Eingabe Notrufknopf wählen
    • Einige Smartphones (bspw. iPhone) haben eine spezifische Tastenkombination
  5. Sobald du die zugehörige Rettungsorganisationen am Telefon hast, beantwortest du die wichtigsten 6 Fragen für einen exakten Unfallbericht.
  6. Solltest du dennoch wirklich keinen Empfang haben, musst du den Standort wechseln und wiederholt versuchen, ein Signal zu erhalten. Funktioniert das nirgendwo in einem angemessenen Umkreis und Zeitrahmen, solltest du versuchen, optische oder akustische Signale abzusetzen und auch die Signale für eine Rettung aus der Luft beherzigen.

     

    Perform – Entscheidest du dich zum eigenen Einsatz, geht es darum, die notwendigen Maßnahmen zu priorisieren. Die Verletzungen können von kleinen Schürfwunden bis zu stark blutenden Wunden, Brüchen oder Bewusstseinsverlust reichen. Ein fundiertes Erste-Hilfe-Wissen, das Beherrschen der nötigen Handgriffe und vor allem das Mitführen eines Erste-Hilfe-Sets sind unerlässlich. Auch Biwaksack, Mobiltelefon, Helm und Notfallkarte gehören in jeden Bergsteigerrucksack. Der ABCDE– Notfallalgorithmus definiert klar die notwendigen Sofortmaßnahmen und dient Ersthelfern als Handlungsleitfaden:

    AIRWAY: Überprüfe, ob der Betroffene atmet und die Atemwege frei sind. Überstrecke den Kopf, schaue in den Mund und entferne mögliche Fremdkörper wie Erbrochenes, Schnee etc.

    BREATHING: Ist der Atemweg frei, die Atmung ok, dann bringe den Betroffenen in die stabile Seitenlage und beobachte ihn. Ist der Atemweg frei, die Person atmet aber nicht spontan, dann beginne mit der Wiederbelebung und Beatmung (cardiopulmonary resuscitation (CPR)). Eine Eselsbrücke, die bei einer Herzdruckmassage hilft, ist Musik. Der Grund: Viele Songs schlagen in dem Takt, der nötig ist, um ein menschliches Herz am Leben zu erhalten – zwischen etwa 100 und 120 Beats pro Minute (Schläge pro Minute). Ein Rhythmus, der in Klassikern wie „Staying Alive“, „I will Survive“ oder „Highway to Hell“ vorkommt – aber zum Beispiel auch im aktuellen Hit „In My Mind“. Gehe für die Herzdruckmassage wie folgt vor: Knie dich rechts oder links neben die betroffene Person. Lege dann die Handballen übereinander auf die Mitte der Brust, dabei sind die Arme durchgestreckt. Drücke  mit viel Kraft, im Rhythmus der Musik, die Brust nach unten. Diese erfolgt im Rhythmus 30:2 (30 x Herzdruckmassage, 2 x Atemspende) und hört nicht auf bis der Betroffene wieder von allein atmet oder die professionelle Rettung eingetroffen ist und übernimmt.

    CIRCULATION: Messe den Puls an Extremitäten und / oder Halsschlagader, achte auf Blutungen, Auffälligkeiten und Verfassung der Haut. Versorge Blutungen mit Druckverbänden und befolge die PECH-Regel:

  • Pause: Keine weitere Belastung, um die Verletzung nicht zu verschlimmern.
  • Eis: Die betroffene(n) Stelle(n) kühlen z.B. mit Schnee oder kaltem Wasser. Dadurch ziehen sich die Blutgefäße zusammen, sodass eine Blutung oder Schwellung vermindert wird.
  • Compression: Mit mäßiger Spannung ein Druckverband anlegen. Am besten in Verbindung mit der Kühlung.
  • Hochlagern: Wenn möglich sollte die verletzte Körperregion höher liegen als das Herz. So kann das Blut aus der verletztem Region zum Herzen fließen. So verringert man Schwellungen und damit auch Schmerzen


Dieser Ablauf von Selbsthilfemaßnahmen lindert akute Schmerzen und verhindert schlimmere Folgen.

DISABILITIES: Beurteile das Bewusstsein des Betroffenen und prüfe sichtbare Verletzungen wie Schädel-Hirn-Trauma etc.

EXPOSURE: Beurteile alle restlichen Beschwerden und ergreife Maßnahmen. Verhindere die Unterkühlung des Betroffenen durch eine Rettungsdecke, warme Kleidung, einen Unterstand oder ein Biwak.

Mit diesen effektiven Tipps, die du auf dem SOS Label in deinem Rucksack findest, hast du die vier wichtigsten Schritte und Regeln auf einen Blick. Es soll dir eine Stütze sein, wenn du in einer herausfordernden Situation einen kühlen Kopf behalten musst. Niemals kann es aber eine umfassende Erste-Hilfe-Ausbildung ersetzen. Diese sollte jeder, der in den Bergen unterwegs ist machen und regelmäßig auffrischen, um im Notfall sich selbst und anderen helfen und im Ernstfall Leben retten zu können.

Hast du Interesse mehr zu erfahren, dann sieh dir unser deuter Basecamp an und steige noch tiefer ein in essenzielles Wissen für begeisterte Outdoorfans, die nicht nur den Spaß, sondern auch die Sicherheit auf ihren Touren großschreiben.

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