DAUNE ODER KUNSTFASER?

Daune oder Kunstfaser? Welcher Schlafsack für welchen Anlass passend ist, erfahren Sie in dieser Produktvergleich-Übersicht!

Bin ich auch draußen unterwegs, wenn es wie aus Eimern schüttet? Ist es an meinem Reiseziel feucht warm, nass kalt oder trocken heiß? Trage ich meinen Schlafsack? Gehe ich pfleglich mit ihm um? Fragen die bei der Entscheidung Daune oder Kunstfaser helfen.

DAUNE

+ Wärme-Gewichtsverhältnis einmalig
+ Kleines Packmaß
+ Erstklassiger Feuchtigkeitstransport
+ Fachgerecht gepflegt sehr langlebig
+ Wärmt sofort

- Nutzlos wenn feucht
- Pflegeintensiv
- Zieht Feuchtigkeit
- Trocknet sehr langsam

Sind sehr gute Isolationswerte bei mög­lichst niedrigem Gewicht und kleinem Packmaß gefragt, ist der Daunenschlafsack die beste Wahl.
Denn keine synthetische Faser erreicht solch eine Bauschfähigkeit wie dieses Naturprodukt und kann damit die warme Luft perfekt speichern.
Bei pfleglicher Behandlung ist Daune auch langlebiger als Kunstfaser. Zudem sorgt sie für ein angenehm trockenes Schlafklima. Dies beruht auf ihrer Eigenschaft, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abgeben zu können. Der Feuchtigkeitsaufnahme sind allerdings Grenzen gesetzt. Bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit, bei Dauerregen oder in Gewässernähe können Daunen verklumpen und somit ihre Isolationswirkung einbüßen. Ist die Daune erst einmal feucht, dauert es sehr lange, sie wieder zu trocknen.
Ein Nachteil auch auf mehrtägigen Wintertouren. Die Feuchtigkeit des Körpers kondensiert in der Füllung, gefriert dort und kann dann nicht mehr abtrocknen. Auch bei einem Biwaksack wird ein Teil im Schlafsack gefrieren und ein wasserdichtes Schlafsackinlett hilft zwar der Daune, aber der daunentypische Schlaf-
komfort ist dann weg. Einsatzgebiete: Bergsteigen, Trekking in Gebieten mit wenig bis normaler Luft­ feuchtigkeit, Biketouren mit wenig Gepäck.

KUNSTFASER

- Schwerer als Daune
- Weniger komprimierbar
- Geringerer Feuchtigkeitstransport
- Kürzere Lebensdauer als Daune
- Etwas längere Aufwärmphase

+ Isoliert auch feucht noch zu 70%
+ Pflegeleicht
+ Nimmt Feuchtigkeit kaum auf
+ Trocknet schnell

Ihr Nachteil ist auch ihr großer Vorteil: Sie nehmen kaum Feuchtigkeit auf und trocknen sehr viel schneller als Daunen­schlafsäcke. Sollten sie doch einmal feucht werden, halten sie trotzdem angenehm warm. Die hohlen Polyesterfasern können weiterhin die warme Luft speichern, da sie stabil bleiben und nicht
wie feuchte Daunen verklumpen. Ideal also für Einsatzgebiete mit permanent hoher Luftfeuchtigkeit. Auch wenn keine extrem niedrigen Temperaturen erwartet werden oder der Schlafsack stark beansprucht und regelmäßig gewaschen wird (Kinder!) sind sie die richtige Wahl. Denn sie sind günstiger als Daunenmodelle und pflegeleichter.
Einsatzgebiete: Allroundschlafsäcke, Kanutouren, Wintertouren, Wildniseinsatz in Skandinavien, Biketouren mit wenig Gepäck, Hüttentouren, Sommerschlafsack.

Hier finden Sie mehr Informationen über Daunen- und Kunstfaserschlafsäcke zum Download.

TEMPERATURANGABEN NACH EN 13537

WIE WIRD GEMESSEN: Der zu testende Schlafsack, in dem eine geeichte, thermische, „erwachsene“ Gliederpuppe liegt, befindet sich in einer Klimakammer mit standardisierter Umgebung. Bei der definierten Wärmeabgabe über die Wärmefelder der Puppe messen Sensoren den Temperaturunterschied zwischen innerer und äußerer Oberfläche über mehrere Stunden. Aus den Ergebnissen errechnet sich der jeweilige Temperaturbereich. Die EN 13537 schafft so einen vergleichbaren Standard, der als Grundorientierung dient.

Diese normierten Angaben liefern lediglich Laborwerte. Sie sollen eine gute Vergleichbarkeit unter den Artikeln verschiedener Hersteller sichern. Da jeder Körper individuell aufgebaut ist und individuell auf die gegebenen Umstände reagiert, können diese Informationen nur ein Anhaltspunkt zu einer Kaufentscheidung sein.

Was man also bedenken sollte:

1. Menschen haben mehr wärmebestimmende Faktoren als eine „Gliederpuppe“ in der Klimakammer.
Beispielsweise - das unterschiedliche Temperaturempfinden von Mann und Frau; Alter, Kondition, aber auch Erfahrung. Des Weiteren beeinflusst der Erschöpfungsgrad (ausgepowert oder ausgeruht), aber auch ob man zu wenig gegessen oder - gar zu viel Alkohol getrunken hat (durch Alkoholeinfluss friert man schneller), die Wärmeleistung.

2. Äußere Umstände, die in der Klimakammer „normiert“ sind, spielen in der Realität eine wichtige Rolle und tragen dazu bei, dass die „Wärmeleistung“ optimal genutzt wird.
- Eine gute Schlafunterlage isoliert den Schläfer zum Boden.
- Funktionsunterwäsche, welche trocken ist und die Feuchtigkeit nach außen abgeben kann (Mütze!). - Geschützter Schlafplatz, Wind und Feuchtigkeit beeinträchtigen stark den erholsamen Schlaf.

3. Die standardisierten Messwerte werden in der Klimakammer, also direkt aus dem Alltag heraus, ermittelt.
Bedenken Sie bitte, dass auf mehrtägigen Unternehmungen oder unter schwierigen natürlichen Bedingungen ganz andere Voraussetzungen entstehen und man sich dementsprechend auf die Gegebenheiten einstellen sollte.

Die Termperaturbereiche

T(COM) » DER KOMFORTBEREICH
gibt die untere Temperaturgrenze an, bei der eine durchschnittliche Frau (25 Jahre / 60 kg / 1,60 m) eine Nacht komfortabel durchschlafen kann.
In diesem Bereich fühlt sich auch der unerfahrene Benutzer jederzeit wohl.

T(LIM) » DER ÜBERGANGSBEREICH
gibt die untere Temperaturgrenze an, bei der ein durchschnittlicher Mann (25 Jahre / 70 kg / 1,73 m) eine Nacht komfortabel durchschlafen kann.
Um warm zu bleiben, muß sich der Benutzer in diesem Bereich den Umständen entsprechend durch Kleidung und Verhalten anpassen.

T(EXT) » DER RISIKOBEREICH
gibt die untere Extremtemperatur an, die eine durchschnittliche Frau bei starker Kältebelastung begrenzt für 6 h aushalten kann. An Schlaf ist hier nicht zu denken. Im Risikobereich ist mit starkem Kälteempfinden zu rechnen. Es besteht das Risiko von Gesundheitsschäden durch Hypothermie (Unterkühlung).

Wie nutze ich meinen Schlafsack richtig?

Der richtige Schlafsack ist aber nur die „halbe Miete“ – wichtig ist auch wo, wo­rauf und wie ich schlafe!

ISOMATTE – Ein kalter Boden oder zirkulierende Luft entzieht dem Körper durch den besten Schlafsack hindurch Wärme! Diese Wärmeleitung (A) unbedingt durch eine gut isolierende Liegematte verhindern.

WINDSCHUTZ – Wind kühlt aus! Durch den Chillfaktor empfindet der Körper +5°C bei leichter Brise (25 km/h) bereits wie 0°C. Zelt, Biwaksack oder auch ein Felsblock schützen vor einem zu stark auskühlenden Luftaustausch (B). Der Schlafplatz sollte daher an einem windgeschützten Ort gewählt sein.

FUNKTIONSWÄSCHE – Die Wärme des Schlafsackes kann auf einfache Weise durch das Tragen von warmer langer Funktionsunterwäsche und Socken erhöht werden. Trockene Kleidung im Fußbereich sorgt ebenfalls für zusätzliche Isolation.

MÜTZE – Im Schlafsack sind Kopf oder Gesicht der einzige Kontakt zur kalten Außenwelt und ein kühler Kopf kühlt auch den restlichen Körper aus. Eine Mütze, eventuell sogar eine Sturm-haube, ist daher ein sehr effektiver Kälteschutz.

Ein Schlafsack kann keine Wärme erzeugen – er kann nur die vorhandene speichern!

GENUG ESSEN – Beim Berg­steigen, Wandern, Radeln etc. braucht der Körper viel Energie. Wer seine Energiereserven nicht durch ausreichend Nahrung wieder auffüllt, kann nicht genug Wärme produzieren und friert dadurch schneller.

VIEL TRINKEN – Schon während des Tages ausreichend trinken, denn dehydriert kann ein Körper nicht mehr genug Wärme produzieren. Vor dem zu "Schlafsack gehen" wärmt ein heißer Tee oder Schokolade nochmal richtig auf.

ALKOHOL MEIDEN – Bei kalten Temperaturen auf übermäßigen Alkoholkonsum verzichten. Alkohol gibt anfangs ein Wär­me­gefühl, aber wenn er sich
abbaut, spürt man die Kälte noch mehr.

SACHEN TROCKEN HALTEN – Kleidung und Schlafsack, insbesondere Daune, haben nass einen niedrigeren Isolationswert als trocken. Die vermeintlich warmen Socken, die man gerade noch an hatte, werden durch die Verdunstungskälte schnell sehr kalt. Also nicht mit verschwitzter Kleidung in den Schlafsack legen. Im wasserdichten Packsack transportiert bleibt Ersatzwäsche sicher trocken. Und, wann immer möglich, den Schlafsack lüften – zum Beispiel auf dem Zelt.