SL-News
 
 
 
 
6 Frauen, 5 Pässe, 120 km, 2700 hm

1. Etappe: Zugfahrt Konstanz - Scuol: Bikestrecke: Scuol - S`Charl
2. Etappe: S`Charl - Costainaspass - Ofenpass - Passo Gallo - Passo Fraele - Decauville - Arnoga
3. Etappe: Arnoga - Pass Viola - Val Campo - Poschiavo: Zugfahrt: Poschiavo - Berninapass - Albulapass - Konstanz

Wir, 6 Frauen: Sabine, Bettina, Marion, Dorita, Dagmar und Andrea, sind für 3 Tage mit unseren Bikes in die Berge aufgebrochen.
Die Anreise ab Konstanz am Bodensee nach Scuol im Unterengadin/Schweiz mit dem Zug war schon ein Erlebnis. Sabine, unsere Informatikerin, hatte jede Umsteigverbindung im Kopf. Das  Zugfahren in der Schweiz ist genial - mit Bike aus dem Zug raus - auf der anderen Seite mit Bike in den Zug rein: Keine Wartezeiten, Schweizer Perfektion eben...!!!
Am Nachmittag bei strahlend blauen Himmel in Scuol angekommen, hatten wir als erste Etappe eine schöne Einrollstrecke in das Val S`Charl.
Dort erwartet uns ein richtiges Juwel an Bikerunterkunft: das Crusch Alba:  wir schlemmen ausgiebig und begießen unsere Tour mit einem leckeren Veltliner Rotwein, somit sind die Speicher für den nächsten Tag gut gefüllt. Das Bachrauschen wiegt uns in den Schlaf. Am nächsten Morgen strahlt uns ein stahlblauer Himmel entgegen, dafür ist es zapfig kalt und die Wiesen mit Raureif bedeckt. Macht aber nichts, so werden unsere Rucksäcke leicht, da wir fast den ganzen Inhalt an unseren Körpern tragen.
Ein fulminantes Frühstück stärkt uns Bikerinen für die heutige Etappe nach Italien. 
Gestartet wird auf 1800 M.ü.M. und mutig strampeln wir dem Pass Costainas entgegen. Ein komplett fahrbarer Übergang über den Alpenhauptkamm - das Tor zum Süden. Auf der anderen Seite haben wir eine nette Begegnung mit einem Jäger, der noch ganz in seinem Erfolg schwelgt und uns stolz seine Beute präsentiert - vielleicht freut er sich auch über soviele Bikerinen - ohne männliche Begleitung. Wir erfahren alles über die Regeln des richtigen Abschusses und den Wildbestand im Münstertal.
Da sind wir nämlich mit der Überschreitung des Costainas Passes angekommen und rauschen beschwingt dem Ofenpass entgegen.
Doch halt - Andrea will eine neue Variante ausprobieren und abrupt stoppt unsere schöne Abfahrt und wir steigen sehr steil- aber auch sehr schön in ein Seitental auf. Eine schöne Panoramastrecke, hoch über der Ofenpassstrasse belohnt die Mühen.
Auf der Passhöhe füllen wir erstmal unsere Speicher bevor der nächste Aufstieg des heutigen Tages gemeistert werden kann. Davor noch ein netter Trail, den Andrea noch kurz vorher von Fadri, dem legendären bikenden Münstertaler, per Handy, erfahren hat. Es hat sich gelohnt und frohgemut machen wir uns an den Aufstieg, der sich als viel steiler entpuppt wie aus der Karte zu entnehmen war. Hier oben waren nun unsere Spürnasen gefragt, da die Bezeichnungen in der Natur nicht mehr mit der Karte übereinstimmten und überhaupt sehr spärlich waren - die Nähe zu Italien war deutlich spürbar!!!
Die Stunden vergingen wie im Fluge und nun hatten wir ein kleines Wettrennen mit der Zeit - keine Fotostopps mehr waren erlaubt - und gerade noch mit dem letzten Dämmerlicht, um 19.30 Uhr liefen wir in unserer nächsten Unterkunft in Arnoga ein. Der Wirt begrüßte uns damit: die gestrige Gruppe ist erst um 20.00 Uhr gekommen - wir wären ja früh dran.

Nichts desto trotz fühlten wir uns wie echte Pioniere und am Abend waren wir nicht ganz so ausgelassen wie zuvor.
Sehr müde - aber sehr glücklich, mit vielen neuen Eindrücken sanken wir in unsere Betten: 2x 3er Zimmer und somit blieb bei soviel Frauen, trotz extremer Ermüdungserscheinungen, der obligatorische Tratsch nicht aus, bis vom Nachbarzimmer durch lautes Pochen die Nachtruhe eingefordert wurde - ok, morgen ist ja auch noch ein Tag.
Und wieder hat der Himmel sein blaues Kleid angelegt und die Luft ist herbstklar. Schöner hätten wir es nicht erwischen können - tja wenn Engel reisen, war unser beflügelter Satz.
Der Pass Viola, mit 2432 M.ü.M., der höchste Übergang unserer Tour erwartet uns heute. Frohgelaunt und auch schon wieder gut erholt starten wir in das Val Viola.
Ein wunderschönes Tal, recht unbekannt, flankiert von schneebedeckten Gipfeln, glasklaren Bergseen und einsamen Almen. Gekrönt mit einem, seit diesem Jahr neugebautem Traumtrail in das Puschlav.

Die Landschaft ändert sich und wir haben das Gefühl irgendwo in den Rockies gelandet zu sein. Ein kleines Blockhaus verstärkt noch unsere Phantasie und alle sind sich einig - hier könnte man gut eine Woche verweilen und die Seele baumeln lassen.
Ab der Alpe Campo rauschen wir dem Süden entgegen und in Poschiavo reicht uns noch die Zeit für einen krönenden Abschluss - nein keine 6 Weizenbier, sondern E I N Tiramisu - mit 6 Löffeln (der kleine Unterschied!).
Glücklich, müde und voll schöner Erlebnisse steigen wir in Poschiavo in den Zug und genießen eine tolle Zugstrecke über den Bernina Pass, den Albula Pass, seit diesem Jahr ist dieser Streckenabschnitt UNESCO Weltkulturerbe) wieder zurück nach Konstanz an den Bodensee.
Alle sind sich einig - das nächste Jahr wieder! Mit dem Bike, den Skiiern, zu Fuß... wir sind flexibel.