Deuter GmbH & Co. KG
 

 
Unterm "Eiger" - der großen Felswand auf der Nordseite des Dhaulagiri - haben wir uns wieder sehr beeilt, weil dort dauernd Steine runterkommen. Danach waren die Bedingungen recht gut.

Auf 5700 Meter haben wir schließlich unser kleines Zwei-Frauen-Zelt aufgebaut und eine ruhige Nacht verbracht. Am nächsten Morgen ging es problemlos weiter bis auf 6600 Meter. Hier blieben wir die folgenden zwei Nächte - und die wurden ziemlich ungemütlich. Denn es hat sehr stark gestürmt, ein paar Mal dachten wir: "Jetzt heben wir mit dem Zelt ab." Aber wir hatten es gut verankert. Hinzu kam die Eiseskälte: Im Zelt hatte es minus 23 Grad, das ist für diese Höhe extrem kalt. An Schlaf war kaum zu denken. Am Samstag sind wir dann rasch ins Basislager abgestiegen und haben uns erst einmal ausgeschlafen.

Leider haben wir heute sehr schlechte Nachrichten bekommen: Gestern ist kurz unterhalb des Gipfels ein Bergsteiger tödlich abgestürzt. Sechs andere sind heute Abend ins Basislager zurückkommen, einige mit Erfrierungen an den Fingern. Die Stimmung im Basislager ist dementsprechend gedrückt.


Während der letzten Akklimatisierungstour haben Lucie und ich auch in die Ostflanke des Dhaulagiri reingeschaut. Ursprünglich hatten wir überlegt, direkt durch die Ostwand zu klettern (MacIntyre-Route), aber dort kracht es ständig, die Steinschlaggefahr ist extrem hoch. Das ist uns zu riskant, das wäre russisches Roulette, und so werden wir voraussichtlich über den Nordost-Grad aufsteigen.

Mit Lucie klappt es gut. Dies ist ja meine erste Expedition mit ihr. Vorher weiß man nie so genau, wie es läuft, aber mein erster Eindruck hat sich bestätigt: Lucie ist eine angenehme und starke Gefährtin. Wir sind jedenfalls bereit, beobachten täglich den Himmel und checken den Wetterbericht. Im Moment zieht es wieder zu. Körperlich fühlen wir uns gut, doch die Unfälle drücken ganz schön aufs Gemüt. Wir gönnen uns jetzt noch zwei Tage Rast im Basislager, und wenn dann das Wetter passt, werden wir starten und versuchen, den Gipfel zu erreichen.

Die erste Nacht werden wir auf 6600 Meter schlafen, eine zweite auf etwa 7400 Meter. Zwei Spanier - darunter Iñaki Ochoa - waren am 26. April auf dem Gipfel und haben berichtet, dass es oben viele Stellen mit Blankeis gibt. Hängt also ganz von den Bedingungen und vom Wetter ab, wie wir vorwärts kommen, aber drei Tage werden wir sicher brauchen.

Liebe Grüße einstweilen aus dem verschneiten Basislager

Gerlinde