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Wer wie die Reutlinger Fritz Miller (22) und Lukas Binder (20) die Superdirettissima der Großen Zinne Nordwand im Winter durchsteigt, sollte diese "Risiken und Nebenwirkungen" des Kletterns jedoch nicht scheuen.
Erstbegangen wurde die Superdirettissima im Januar 1963 von drei Sachsen, die trotz menschenfeindlicher Temperaturen für dieses Projekt unglaubliche 17 Tage in der Wand hingen. So spektakulär die Route und ihre Erstbegehung auch war, eine Wiederholung der Hakenleiter erforderte kein besonderes Kletterkönnen mehr. Während im Laufe der Zeit das Sicherungsmaterial munter vor sich hin rostete und moderte, änderte sich auch die Haltung gegenüber Technorouten wie der Superdirettissima. Längst gelten diese nicht mehr als schwer, wohl aber als abenteuerlich. Gleich geblieben sind die unbeschreibliche Ausgesetztheit und die grandiose Kulisse, die das Klettern an den Drei Zinnen ausmachen. Durch die Nacht ins Abenteuer 17. Febr. 2007, 6:20 Uhr. Vor uns ragt die senkrechte Mauer 550 m hoch in den klaren Nachthimmel. Wir steigen ein, bald darauf wird es hell. Wir rasen die Wand hinauf, so wird uns warm. Die Kletterei ist nicht besonders schwierig, über weite Strecken nur A0 - A2. Immer wieder fehlen jedoch die nötigen Fortbewegungshaken, Einzelstellen bis zum 7. Grad und längere Runouts bleiben uns also nicht erspart. Spannendes Finale Ca. 16 Seillängen später. Die Wand hat an Steilheit verloren. Schnee auf den Bändern, in den Rinnen, auf den Griffen und Tritten. Die kommenden Längen werden heikel, die Finger und Zehen ziemlich kalt. Das Ringband präsentiert sich dann richtig winterlich. Mit den leichten Kletterschuhen stehe ich im tiefen Schnee, während Lukas nachsteigt. Der Direktausstieg vom Ringband auf den Gipfel ist dann definitiv nichts mehr für Memmen. Schauderhaft brüchiger Fels, garniert mit Rostgurken, die nur mit Mühe ihr eigenes Gewicht tragen. Im letzten Licht des Tages stehen wir schließlich auf dem höchsten Punkt der Drei Zinnen – als erste in diesem Jahr. Der Eintrag ins Gipfelbuch erfolgt bereits im Schein der Lampen. Nicht geräumt und gestreut Abseilen über den Normalweg. Zu Schnee, Eis und Dunkelheit gesellt sich bald Nebel. Irgendwie finden wir aber den Weg aus dem Labyrinth aus Bändern und Kaminen. Ein gemeiner Harschdeckel, gerade nicht tragfähig, beschert uns zum Schluss noch wunde Schienbeine. Erst um 0:30 Uhr des nächsten Tages sind wir zurück an unserem Ausgangspunkt, dem kargen Winterraum des Rifugio Auronzo. Ziemlich müde versteht sich – das darf man nach einem langen Tag aber auch sein. |
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